{"id":44,"date":"2015-06-27T17:44:28","date_gmt":"2015-06-27T15:44:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/?p=44"},"modified":"2015-07-05T13:28:36","modified_gmt":"2015-07-05T11:28:36","slug":"karnismus-gegenteil-von-vegetarismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/karnismus-gegenteil-von-vegetarismus\/","title":{"rendered":"Karnismus (Gegenteil von Vegetarismus)"},"content":{"rendered":"<p>Den Karnismus beschreibt Melanie Joy <em>(* 2. September 1966 &#8211; \u00a0ist eine US-amerikanische Sozialpsychologin, Publizistin und vegane Aktivistin. Sie pr\u00e4gte \u2013 vorwiegend im englischsprachigen Raum \u2013 den Begriff des Karnismus (engl. carnism) und entwickelt in ihren Ver\u00f6ffentlichungen Theorien dar\u00fcber, weswegen Menschen andere Tiere essen<\/em>)\u00a0als ein unsichtbares System von \u00dcberzeugungen, das Tiere in die Kategorien \u201eessbar\u201c und \u201enicht essbar\u201c sortiert. \u00a0Als eine Ideologie sei es f\u00fcr den Karnismus charakterisierend und notwendig, den eigenen Fleischkonsum als normal, nat\u00fcrlich und notwendig aufzufassen. \u00a0Diese \u00dcberzeugungen erlaubten schlie\u00dflich den Fleisch essenden Menschen, sich von ihrem Mitgef\u00fchl f\u00fcr die betroffenen Tiere zu distanzieren. Ihre erlernte Apathie werde durch eine Reihe von psychologischen Verteidigungsstrategien weiter verfestigt. Zu den wichtigsten Mechanismen, die Joy beschreibt, geh\u00f6ren der Prozess der Entindividualisierung von Tieren sowie ihre Abstraktion zu Gruppen. Tierprodukte w\u00fcrden au\u00dferdem durch die Art und Weise ihrer Aufmachung und Vermarktung von der mit ihrer Herstellung verbundenen Gewalt ablenken. Tiere w\u00fcrden dadurch \u2013 \u00e4hnlich wie bei Carol J. Adams \u2013 zu \u201eabwesenden ReferentInnen\u201c. \u00a0Laut Joy h\u00e4lt \u201euns\u201c der Karnismus davon ab, die soziale Norm, Tiere zu essen, zu hinterfragen. Karnismus sei \u201ekomplett auf Gewalt aufgebaut\u201c, denn \u201eohne Gewalt, ohne das T\u00f6ten\u201c g\u00e4be es kein Fleisch. Alles drehe sich darum, dass eine Gruppe von Individuen eine andere Gruppe von Individuen zu ihrem eigenen Vorteil benutzt. Dahinter stecke eine Geisteshaltung, \u201edie der Idee einer gerechten Gesellschaft von Gleichen, f\u00fcr die wir uns ja eigentlich einsetzen, v\u00f6llig entgegensteht.\u201c<\/p>\n<p>Als Hintergrund f\u00fcr ihre Karnismus-Idee gibt Joy Erfahrungen im Rahmen ihrer Dissertation an. Sie habe Leute aus der Fleischindustrie, Menschen, die ihre eigenen Tiere z\u00fcchten und schlachten, Fleisch-Konsumenten sowie Vegetarier interviewt und dabei festgestellt, dass \u201eeigentlich alle\u201c der Befragten sich \u201eauf irgendeiner Ebene unwohl dabei f\u00fchlten, Tieren Leid zuzuf\u00fcgen\u201c. Es h\u00e4tte aber eine \u201epsychologische Trennung zwischen diesem Unwohlsein und ihrem Verhalten\u201c gegeben. Um diesen moralischen Widerspruch aufzul\u00f6sen, h\u00e4tten sie verschiedene psychologische Verteidigungsmechanismen benutzt.<\/p>\n<p>Rezeption<\/p>\n<p>Helena Pedersen sch\u00e4tzt den Beitrag von Joy als hilfreich und relevant ein, qualifiziert diese Bewertung aber insofern, als dass sie bei der Frage nach dem sozialen Entstehen von Tierproduktion noch erheblichen weiteren theoretischen Erkl\u00e4rungsbedarf sieht.<\/p>\n<p>Andere Rezipienten reagierten vergleichsweise verhalten. Jason Hribal kritisiert, dass Joys Auffassung von \u201eFleisch\u201c als einer metaphorischen Form, in der das betroffene Tier als Gewaltopfer unsichtbar gemacht wurde, einerseits der Geschichte des Gegenstands und des Begriffs nicht hinreichend Rechnung trage, andererseits verfestige die Reduktion der Analyse von Fleisch auf das Symbolische eine geschichtliche Perspektive, die die aktive Rolle von \u201enichtmenschlichen Tieren\u201c als Arbeiter sowie ihren Widerstand geringsch\u00e4tzt oder ganz aus dem Blick verliert. \u00a0Corey Wrenn kritisiert, dass Joys Unentschlossenheit, den Veganismus als politisches Prinzip in das Zentrum ihres Gegenentwurfs zum \u201eKarnismus\u201c zu stellen, einer tiersch\u00fctzerischen Politik Vorschub leiste.<\/p>\n<p>Sandra Mahlke zufolge, gilt Joys Karnismus als \u201eUnterform des Speziesismus, insofern als das Aufziehen von Tieren zwecks Fleischgewinnung als spezielle Form der speziesistischen Ungleichbehandlung gilt\u201c. Joy selbst h\u00e4lt den Speziesismus-Begriff f\u00fcr \u201ezu abstrakt\u201c und \u201everwirrend\u201c. Hingegen w\u00fcrden die meisten Menschen verstehen, worum es beim Karnismus gehe.<\/p>\n<p>Proveganes Engagement<\/p>\n<p>Joy ern\u00e4hrt sich eigenen Angaben zufolge seit 1989 \u2013 ihrem 23. Lebensjahr \u2013 fleischfrei. Als Ausl\u00f6ser f\u00fchrt sie den Verzehr eines verdorbenen Hamburgers an, in dessen Folge sie im Krankenhaus behandelt werden musste. Seit dieser Erfahrung ekele sie sich vor dem Verzehr von Fleisch. Zun\u00e4chst sei sie Vegetarierin geworden und h\u00e4tte weiter Milchprodukte konsumiert, weil sie dachte, \u201edies w\u00fcrde den Tieren keinen Schaden zuf\u00fcgen\u201c. Erst sp\u00e4ter habe sie begonnen, sich f\u00fcr die Hintergr\u00fcnde der \u201eNutztierindustrie\u201c zu interessieren. Was sie herausfand, habe sie schockiert. Sie habe sich gefragt, wie sie \u201eso lange an einem so schrecklichen System Teil haben konnte\u201c. Heute verzichtet Joy komplett auf tierische Produkte in ihrer Ern\u00e4hrung.<\/p>\n<p>Joy ist Gr\u00fcnderin und Pr\u00e4sidentin des Carnism Awareness and Action Network (CAAN), das sich inzwischen auch Beyond carnism nennt. Diese Organisation hat sich zum Ziel gesetzt, durch \u00d6ffentlichkeitsarbeit (\u201eErziehung und Aktivismus\u201c) das Bewusstsein f\u00fcr den sogenannten Karnismus zu erh\u00f6hen und ihn zu \u201etransformieren\u201c. Die Mitglieder glauben, dass das Essen von Tieren eine Frage der sozialen Gerechtigkeit sei, weil die gegenw\u00e4rtige Tierproduktion von einer \u201erepressiven Ideologie\u201c erm\u00f6glicht worden sei.<\/p>\n<p><em>Quelle: wikipedia<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den Karnismus beschreibt Melanie Joy (* 2. September 1966 &#8211; \u00a0ist eine US-amerikanische Sozialpsychologin, Publizistin und vegane Aktivistin. 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