{"id":419,"date":"2015-07-12T23:23:46","date_gmt":"2015-07-12T21:23:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/?p=419"},"modified":"2015-07-13T10:21:43","modified_gmt":"2015-07-13T08:21:43","slug":"vor-130-jahren-gab-es-die-erste-impfung-gegen-tollwut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/vor-130-jahren-gab-es-die-erste-impfung-gegen-tollwut\/","title":{"rendered":"Vor 130 Jahren gab es die erste Impfung gegen Tollwut"},"content":{"rendered":"<h1 style=\"text-align: justify;\">Vor 130 Jahren: Der erste Mensch wird gegen Tollwut geimpft<\/h1>\n<figure id=\"attachment_420\" aria-describedby=\"caption-attachment-420\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-420\" src=\"http:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/tollwutimpfung01-300x180.jpg\" alt=\"Joseph Meister wird gegen Tollwut geimpft, Pasteur steht im Hintergrund. Bildquelle: Wikipedia\" width=\"300\" height=\"180\" srcset=\"https:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/tollwutimpfung01-300x180.jpg 300w, https:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/tollwutimpfung01.jpg 580w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-420\" class=\"wp-caption-text\">Joseph Meister wird gegen Tollwut geimpft, Pasteur steht im Hintergrund. Bildquelle: Wikipedia<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Am 6. Juli 1885 schrieben ein B\u00e4ckersohn und ein Chemiker Medizingeschichte: Weil Joseph Meister 14-mal von einem Hund gebissen wurde, wagte Louis Pasteur erstmals eine Impfung am Menschen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0<\/em>Es ist f\u00fcnf Uhr Fr\u00fch am 4. Juli 1885, als der franz\u00f6sische B\u00e4cker Joseph Antoine Meister seinen \u00e4ltesten Sohn weckt. Der neunj\u00e4hrige Joseph soll in den Nachbarort Maisonsgoutte gehen, um fl\u00fcssige Hefe von einer Brauerei zu holen. Dort wird der Junge von dem Hund des Delikatessenh\u00e4ndlers Th\u00e9odore Vonn\u00e9 angefallen. Der Schlosser eilt Meister zu Hilfe, doch der Hund hat bereits 14-mal zugebissen. Notd\u00fcrftig werden die Wunden des Buben am Brunnen ausgewaschen. Am R\u00fcckweg, so schreibt der Historiker Andr\u00e9 Dubail in \u201eJoseph Meister le premier \u00eatre humain sauv\u00e9 de la rage\u201c, muss sich Meister mehrmals setzen, um sich auszuruhen. Als er gegen Abend im els\u00e4ssischen Steige ankommt, bringen ihn die Eltern zu Eug\u00e8ne Weber. Der Arzt desinfiziert die Wunden mit Karbols\u00e4ure. Indes f\u00e4llt der Hund weitere Personen an und wird von Gendarmen get\u00f6tet. Vonn\u00e9 bringt den Kadaver zum Tierarzt, der in dessen Magen Heu, Stroh und Holzsplitter findet \u2013 damals ein sicheres Zeichen f\u00fcr Tollwut.<br \/>\nAn dieser Stellen weichen die \u00dcberlieferungen voneinander ab: Die gel\u00e4ufige Variante lautet, dass der Arzt der Familie r\u00e4t, in Paris den Chemiker Louis Pasteur aufzusuchen, der, so habe er in der Zeitung gelesen, im Tierversuch gute Erfolge mit einer Tollwutschutzimpfung errungen habe. In Dubails Version verfolgt hingegen Vonn\u00e9 das Gespr\u00e4ch dreier Herren, die sich \u00fcber Pasteur unterhalten, sucht den Jungen auf und r\u00e4t zur Reise in die Hauptstadt. Tatsache ist, dass sich Joseph und seine Mutter am 5. Juli per Zug nach Paris aufmachen. Nach m\u00fchsamen Fragen und etlichen Abweisungen erfahren sie, dass der 62-J\u00e4hrige in der \u00c9cole Normale Sup\u00e9rieure in der Rue d&#8217;Ulm forscht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<strong>Hund \u2013 Kaninchen \u2013 Mensch<\/strong><br \/>\nSeit 1881 arbeitet Pasteur an seinem ersten humanmedizinischen Impfstoff. Laut Mikrobiologe Paul de Kruifs \u201eMikrobenj\u00e4ger\u201c suchte er sich daf\u00fcr Tollwut aus, weil er beobachtete, wie mehrere Personen von einem tollw\u00fctigen Wolf angefallen und deren Wunden anschlie\u00dfend \u201eausgebrannt\u201c wurden \u2013 ohne Garantie auf \u00dcberleben. Ein Anblick, den der damals Achtj\u00e4hrige wohl nie vergessen haben d\u00fcrfte. Aus wissenschaftlicher Sicht schien die Krankheit zudem interessant, da es keinen sichtbaren Erreger gab (Viren waren noch nicht identifiziert), sie aber bei Menschen und Tieren vorkam.<\/p>\n<figure id=\"attachment_421\" aria-describedby=\"caption-attachment-421\" style=\"width: 250px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-421\" src=\"http:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/tollwutimpfung02.jpg\" alt=\"In dem Bild von Albert Edelfelt betrachtet Louis Pasteur eine Flasche, in der an einem Faden das getrocknete R\u00fcckenmark eines tollw\u00fctigen Kaninchens \u00fcber einem Trocknungsmittel h\u00e4ngt. Bildquelle: WIkipedia; Mus\u00e9e d'Orsay, Paris\" width=\"250\" height=\"313\" srcset=\"https:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/tollwutimpfung02.jpg 250w, https:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/tollwutimpfung02-240x300.jpg 240w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-421\" class=\"wp-caption-text\">In dem Bild von Albert Edelfelt betrachtet Louis Pasteur eine Flasche, in der an einem Faden das getrocknete R\u00fcckenmark eines tollw\u00fctigen Kaninchens \u00fcber einem Trocknungsmittel h\u00e4ngt. Bildquelle: Wikipedia; Mus\u00e9e d&#8217;Orsay, Paris<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pasteur gewann Hirnsubstanz von einem an Tollwut verstorbenen Hund, die er zu einer sterilen Bouillon verarbeitete. Diese gab er einigen Kaninchen, die daraufhin an Tollwut starben. Bewiesen war damit, dass der Erreger nicht nur im Speichel, sondern vor allem im Hirn der Erkrankten vorkommt. Durch fortlaufende \u00dcbertragung von Kaninchen zu Kaninchen erlangte das Virus maximale Virulenz. Nun verabreichte der Forscher die Fl\u00fcssigkeit einem Hund. Auch bei ihm trat nach 14 Tagen der Tod an Tollwut ein. Um den Erreger abzuschw\u00e4chen, trocknete Pasteur R\u00fcckenmarksubstanz von infizierten Kaninchen zwei Wochen lang mit Kaliumhydroxid und verabreichte sie mehreren Hunden. Tags darauf bekamen sie eine 13 Tage lang getrocknete Marksubstanz, an den folgenden Tagen weitere Injektionen, die immer k\u00fcrzer getrocknet worden waren. Am 14. Tag spritzte Pasteur den Tieren R\u00fcckenmark eines erst am Vortag get\u00f6teten Tieres, also von hochvirulenten Viren. Es geschah: nichts. Die Tiere waren immun geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit seiner Entdeckung ging Pasteur an die \u00d6ffentlichkeit \u2013 verschwiegen allerdings wurde (und erst viel sp\u00e4ter durch Gerald L. Geison vom Historischen Institut der Universit\u00e4t Princeton in Pasteurs Labortageb\u00fcchern entdeckt), dass er sein Verfahren bereits an zwei erkrankten Patienten erprobt hatte, die Behandlung jedoch einmal abbrechen musste, das zweite Mal war die Krankheit schon so weit fortgeschritten, dass er dem M\u00e4dchen nicht helfen konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vom B\u00e4ckersohn zum Pf\u00f6rtner<br \/>\n<\/strong>Am 6. Juli 1885 steht nun Joseph Meister vor Pasteur, der noch keine Symptome aufweist \u2013 in Medizinkreisen wird deshalb davon ausgegangen, dass der Junge sich gar nicht mit Tollwut infiziert hatte. Der Forscher ruft den Neurologen Edm\u00e9 F\u00e9lix Alfred Vulpian und den Kinderarzt Jacques-Joseph Grancher zu sich. Vulpian weigert sich, den Jungen zu behandeln, doch Grancher injiziert ihm Pasteurs Impfstoff. Darauf folgt eine Serie von 13 Injektionen, mit zunehmend frischerem R\u00fcckenmark. Laut Geison behauptet Pasteur w\u00e4hrend dem Prozedere, dass er den Impfstoff an 50 Hunden erprobt h\u00e4tte und stets erfolgreich war. Doch die Labortageb\u00fccher belegen, dass die Experimente zu dieser Methode noch nicht abgeschlossen waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um herauszufinden, ob der Junge durch die Impfungen tats\u00e4chlich gegen Tollwut immun wurde, verabreichte der Chemiker die letzten drei Impfungen auch einem Hund, der daraufhin stirbt. Meister aber \u00fcberlebt. Damit war laut Friedrich Hofmann, Vorsitzender der St\u00e4ndigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut, dreierlei bewiesen: \u201eDer Erreger l\u00e4sst sich durch die 14-t\u00e4gige Trocknungsprozedur so weit abschw\u00e4chen, dass er nicht mehr pathogen ist. Die Impfungen, die Joseph Meister erhielt, sch\u00fctzten vor dem Tollwuterreger. Die postexpositionelle Impfung ist in diesem Fall eindeutig wirksam.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Folge avanciert Pasteur zum Helden. In den n\u00e4chsten zw\u00f6lf Monaten, so schreibt Herv\u00e9 Bazin in \u201eL\u2019Histoire des vaccinations\u201c, sollen rund 2500 von tollw\u00fctigen Tieren gebissene Patienten zu ihm gekommen und behandelt worden sein. Zudem geht eine Flut an Spenden ein, sodass der Forscher 1888 das \u201eInstitut Pasteur\u201c gr\u00fcnden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Tollwut-Impfung ist aber nicht die einzige Errungenschaft Pasteurs. Schon zuvor hatte der Chemiker an den Salzen der Weins\u00e4ure die optische Isomerie entdeckt und so die Stereochemie und die Polarimetrie begr\u00fcndet. Um 1854 hatte er erkannt, dass der alkoholischen G\u00e4rung Mikroorganismen zugrunde liegen. Bald darauf stellte er fest, dass das kurzzeitige Erhitzen (unter anderem) von Milch zum Absterben jener Mikroorganismen f\u00fchrt, die f\u00fcr Verdorbenes verantwortlich sind \u2013 eine Entdeckung, die bis heute seinen Namen tr\u00e4gt: die Pasteurisierung. 1868 erlitt Pasteur einen Schlaganfall, der eine einseitige L\u00e4hmung zur Folge hatte. Er gab daraufhin seine Lehrt\u00e4tigkeit auf, sein wissenschaftliches Engagement aber konnte das nicht bremsen. So entwickelte er ab 1881 Impfstoffe (neben Tollwut) gegen Gefl\u00fcgelcholera, Schweinerotlauf, Milzbrand. 1887 erleidet er einen zweiten Schlaganfall. Am 28. September 1895 stirbt Pasteur mit knapp 73 Jahren in Villeneuve-l&#8217;Etang bei Paris. Meister \u00fcberlebt indes seinen Retter und wird 1913 am Pasteur-Institut Pf\u00f6rtner.<\/p>\n<figure id=\"attachment_422\" aria-describedby=\"caption-attachment-422\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-422\" src=\"http:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/tollwutimpfung03.jpg\" alt=\"Landkarte Tollwutgef\u00e4hrdung (hell)\" width=\"400\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/tollwutimpfung03.jpg 400w, https:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/tollwutimpfung03-300x150.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-422\" class=\"wp-caption-text\">Landkarte Tollwutgef\u00e4hrdung (hell)<\/figcaption><\/figure>\n<div class=\"factboxheader\" style=\"text-align: justify;\">\n<h3>TOLLWUT<\/h3>\n<\/div>\n<div class=\"factboxcontent\" style=\"text-align: justify;\">\n<p>Ausgel\u00f6st wird Tollwut bei Menschen in der Regel durch das Rabiesvirus, die \u00dcbertragung erfolgt durch Bisse oder Hautkontakt. Die Inkubationszeit liegt zwischen 15 und 90 Tagen. Sch\u00e4tzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehen von j\u00e4hrlich rund 55.000 Tollwut-Toten aus &#8211; 99 Prozent davon in Entwicklungsl\u00e4ndern in Asien und Afrika. Weltweit werden pro Jahr mehr als 15 Millionen Menschen aufgrund des Verdachts einer Tollwutinfektion behandelt. \u00d6sterreich wurde von der WHO und der Internationalen Tierseuchenorganisation am 28. September 2008 zum tollwutfreien Gebiet erkl\u00e4rt (siehe Karte unten).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: (DiePresse.com)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 130 Jahren: Der erste Mensch wird gegen Tollwut geimpft Am 6. Juli 1885 schrieben ein B\u00e4ckersohn und ein Chemiker Medizingeschichte: Weil Joseph Meister 14-mal von einem Hund gebissen wurde, wagte Louis Pasteur erstmals eine Impfung am Menschen. \u00a0Es ist<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-419","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemeines"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/419","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=419"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/419\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":437,"href":"https:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/419\/revisions\/437"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=419"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=419"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=419"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}