{"id":365,"date":"2015-07-12T22:22:27","date_gmt":"2015-07-12T20:22:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/?p=365"},"modified":"2015-07-13T07:36:34","modified_gmt":"2015-07-13T05:36:34","slug":"martha-nussbaums-konzept-der-grundfaehigkeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/martha-nussbaums-konzept-der-grundfaehigkeiten\/","title":{"rendered":"Martha Nussbaums &#8222;Konzept der Grundf\u00e4higkeiten&#8220;"},"content":{"rendered":"<h1>Martha Nussbaums Konzept der Grundf\u00e4higkeiten<\/h1>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Einfach einmal als Gedankenspiel &#8211; welche Grundf\u00e4higkeiten gelten AUCH oder NICHT f\u00fcr unsere Hunde?<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_370\" aria-describedby=\"caption-attachment-370\" style=\"width: 150px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-370 size-thumbnail\" src=\"http:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Martha_Nussbaum_20102-150x150.jpg\" alt=\"(Fotoquelle: Wikipedia 2010)\" width=\"150\" height=\"150\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-370\" class=\"wp-caption-text\">(Fotoquelle: Wikipedia 2010)<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Martha Nussbaum, geb. Craven, ist Philosophin und Professorin f\u00fcr Rechtswissenschaften und Ethik an der University of Chicago.<\/em><br \/>\n<em> Geboren: 6. Mai 1947 (Alter 68), New York City, Vereinigte Staaten,\u00a0<\/em><em> Ausbildung: Harvard University (1975), New York University<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die aristotelische Philosophin Martha Nussbaum greift bei ihrer Betrachtung dessen, was ein gutes Leben ist, weniger die Tugendlehre von Aristoteles auf, sondern jene \u00dcberlegungen zur Verpflichtung eines Staates oder eines Gemeinwohls, zum Gedeihen menschlichen Lebens umfassend beizutragen. In diesem Sinne antwortet sie also eher auf die Frage, was &#8222;in der Gesellschaft&#8220; ver\u00e4ndert werden muss.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die zentrale Frage, die Martha Nussbaum stellt, lautet dabei:<\/p>\n<blockquote><p><em>Geht einem Wesen diese Eigenschaft oder Eigenart ab, w\u00fcrden wir es dann noch als &#8222;Mensch&#8220; bezeichnen? Oder weniger streng gefragt, was w\u00fcrden wir sagen, ist irgendwie typisch f\u00fcr &#8222;die Menschen&#8220;?<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit will Nussbaum nicht sagen, dass es nicht Extremf\u00e4lle in der Vielfalt menschlicher Lebenentw\u00fcrfe gibt. Aber sie m\u00f6chte die Klasse der Menschen als Spezies beschreiben gleichsam so wie wenn fremden Wesen die Menschen beschreiben w\u00fcrde. In diesem Sinne ist das von ihr beschriebene Grundger\u00fcst eine Ann\u00e4herung etwa in der Art, wie wenn wir sagen, dieses oder jenes Lebewesen hat &#8222;in der Regel&#8220; diese Bed\u00fcrfnisse und F\u00e4higkeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nussbaum nennt folgende Punkte f\u00fcr die Spezies Mensch:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Menschen sind sterblich und haben eine Abneigung gegen\u00fcber dem eigenen Tod.<\/li>\n<li>Menschen brauchen zum Leben Essen und Trinken und sie wollen im allgemeinen nicht hungrig und durstig sein.<\/li>\n<li>Menschen haben ein Bed\u00fcrfnis sich durch Kleidung und\/oder Behausung vor Hitze, K\u00e4lte und Witterungen zu sch\u00fctzen.Das sexuelle Verlangen geh\u00f6rt mehr oder weniger zu jedem menschlichen Leben.<\/li>\n<li>Menschen bewegen sich gerne fort und m\u00f6gen es nicht, wenn sie dies nicht k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Menschen haben eine Abneigung vor Schmerz.<\/li>\n<li>Menschen haben die F\u00e4higkeit sowohl Schmerz als auch Freude zu empfinden.<\/li>\n<li>Menschen k\u00f6nnen mit ihren Sinnen wahrnehmen, sie k\u00f6nnen sich Dinge vorstellen und sie k\u00f6nnen denken.<\/li>\n<li>Menschen erleben als Kleinkinder Zuwendung, aber auch Abh\u00e4ngigkeit und Bed\u00fcrftigkeit von anderen, die sie pr\u00e4gen<\/li>\n<li>Menschen planen und organisieren ihr Leben oder versuchen es zumindest.<\/li>\n<li>Menschen m\u00f6chten frei sein zu w\u00e4hlen, zu urteilen und dementsprechend zu handeln<\/li>\n<li>Menschen kennen und empfinden &#8222;Verbundenheit mit&#8220; und Anteilnahme f\u00fcr andere Menschen. Menschen leben mit anderen und bezogen auf andere und w\u00fcrden ein Leben, dass dieses nicht erm\u00f6glicht nicht als lebendwert betrachten.<\/li>\n<li>Menschen sp\u00fcren eine Verbundenheit mit anderen Lebewesen. Sie sp\u00fcren dass Lebewesen anders behandelt werden wollen als ein Stein.<\/li>\n<li>Menschen m\u00f6gen Lachen und Spiele.<\/li>\n<li>Menschen sind von anderen Menschen getrennt. &#8222;Wenn ein Mensch durch den Raum geht, folgt ihm nicht automatisch ein anderer.&#8220;<br \/>\nMenschen erkennen sich im gro\u00dfen und ganzen als Wesen, die zumindest einen gewissen eigenen Bereich haben m\u00f6chten, einen kleinen Raum, in dem sie sich bewegen, einige spezielle Dingen die sie benutzen oder lieben k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Grundger\u00fcst an Eigenschaften des menschlichen Lebens, das Martha Nussbaum skizziert, ist f\u00fcr sie keines, das ahistorisch feststeht oder eine Wahrheit vor aller Erfahrung ausdr\u00fccken soll. Diese Liste ist offen und kann jederzeit durch neue Erkenntnisse erweitert werden. Sie beschreibt nicht einen Kern oder ein abstraktes Wesen des Menschen, sondern soll ein Bild des Menschen zeichnen, von dem frau sagen kann, ja so ist der Mensch ungef\u00e4hr, so lebt er und das braucht er. Werden die in dem Bild enthaltenen Eigenschaften nicht erf\u00fcllt, so spricht Nussbaum davon, dass ein betroffenes Wesen ein Leben f\u00fchrt, das man nicht als ein gutes menschliches Leben, unter Umst\u00e4nden nichteinmal als ein menschliches Leben bezeichnen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus dieser Liste ergeben sich f\u00fcr Nusbaum spezifische Grundf\u00e4higkeiten, die f\u00fcr die politische Philosophie als Leitlinien daf\u00fcr gelten k\u00f6nnen, was einem Menschen gew\u00e4htrt werden muss. Diese F\u00e4higkeiten sind Hnadlungsdispositionen und sollten dementsprechend nicht mit ihrer Aus\u00fcbung verwechselt werden. Menschen haben diese F\u00e4higkeiten, aber sie \u00fcben sie nicht unbedingt aus:<\/p>\n<ol>\n<li style=\"text-align: justify;\">Die F\u00e4higkeit, ein volles Menschenleben bis zum Ende zu f\u00fchren; nicht vorzeitig zu sterben oder zu sterben, bevor das Leben so reduziert ist, dass es nicht mehr lebenswert ist.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Die F\u00e4higkeit, sich guter Gesundheit zu erfreuen; sich angemessen zu ern\u00e4hren; eine angemessene Unterkunft zu haben; M\u00f6glichkeiten zu sexueller Befriedigung zu haben; sich von einem Ort zu einem anderen zu bewegen.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Die F\u00e4higkeit, unn\u00f6tigen Schmerz zu vermeiden und freudvolle Erlebnisse zu haben.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Die F\u00e4higkeit, die f\u00fcnf Sinne zu benutzen, sich etwas vorzustellen, zu denken und zu urteilen.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Die F\u00e4higkeit, Bindungen zu Dingen und Personen au\u00dferhalb unserer selbst zu haben; diejenigen zu lieben, die uns lieben und f\u00fcr uns sorgen, und \u00fcber ihre Abwesenheit traurig zu sein; allgemein gesagt zu lieben, zu trauern, Sehnsucht und Dankbarkeit zu empfinden.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Die F\u00e4higkeit, sich eine Vorstellung vom Guten zu machen und kritisch \u00fcber die eigene Lebensplanung nachzudenken.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Die F\u00e4higkeit, f\u00fcr andere und bezogen auf auf andere zu leben, Verschiedenheit mit anderen Menschen zu erkennen und zu zeigen, verschiedene Formen von famili\u00e4ren und sozialen Beziehungen einzugehen.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Die F\u00e4higkeit, in Verbundeheit mit Tieren, Pflanzen und der ganzen Natur zu leben und pfleglich mit ihnen umzugehen. Die F\u00e4higkeit, zu lachen, zu spielen und Freude an erholsamen T\u00e4tigkeiten zu haben.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Die F\u00e4higkeit, sein eigenes Leben und nicht das von jemand anderes zu leben.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Die F\u00e4higkeit, sein eigenes Leben in seiner eigenen Umgebung und seinem eigenen Kontext zu leben.&#8220;<\/li>\n<\/ol>\n<p><em>Martha C. Nussbaum: &#8222;Der aristotelische Sozialdemokratismus&#8220;; in: Martha C. Nussbaum: &#8222;Gerechtigkleit oder das gute Leben&#8220;; Frankfurt a.M. 1999; S. 67-58<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Martha Nussbaums Konzept der Grundf\u00e4higkeiten Einfach einmal als Gedankenspiel &#8211; welche Grundf\u00e4higkeiten gelten AUCH oder NICHT f\u00fcr unsere Hunde? Martha Nussbaum, geb. Craven, ist Philosophin und Professorin f\u00fcr Rechtswissenschaften und Ethik an der University of Chicago. Geboren: 6. 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