{"id":26,"date":"2015-06-27T17:00:36","date_gmt":"2015-06-27T15:00:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/?p=26"},"modified":"2015-06-27T17:01:23","modified_gmt":"2015-06-27T15:01:23","slug":"silvestervorbereitung-nicht-nur-fuer-geraeuschsensible","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/silvestervorbereitung-nicht-nur-fuer-geraeuschsensible\/","title":{"rendered":"Silvestervorbereitung, nicht nur f\u00fcr Ger\u00e4uschsensible"},"content":{"rendered":"<ul>\n<li>Hunde reagieren an Silvester sehr sensibel (manchmal sogar solche, die sonst keine Probleme mit Sch\u00fcssen oder Gewitter haben), weil sie einem wahren Feuerwerk der Sinneswahrnehmungen ausgesetzt sind. Alle ihre Sinne (bis auf den Geschmackssinn) sind deutlich besser ausgebildet als bei uns Menschen. Der Geh\u00f6rsinn leidet durch den L\u00e4rm, der Gesichtssinn (die Augen) durch die ungewohnten und in gro\u00dfer Anzahl auftretenden Lichtreflexe und der Geruchssinn durch den Gestank, den die B\u00f6ller verursachen.<\/li>\n<li>Hat der Hund enormen Stress an Silvester, verreisen Sie mit ihm dorthin, wo es keine B\u00f6ller und Kracher gibt, z.B. in abgelegene Ferienh\u00e4user in den Bergen oder am Meer. Die Ruhe tut nicht nur Ihrem Hund gut. Buchen Sie fr\u00fchzeitig. Reisen Sie ein paar Tage fr\u00fcher an und ein paar Tage sp\u00e4ter ab.<\/li>\n<li>Wenn Sie nicht verreisen k\u00f6nnen, bewahren Sie Ruhe in jeder Lebenslage und leben Sie Ihrem Hund durch entspannte und nicht hektisch-schnelle K\u00f6rperbewegungen vor, dass er sich keine Sorgen machen muss.<\/li>\n<li>Legen oder setzen Sie sich z.B. gem\u00fctlich aufs Sofa und lesen Sie etwas. Beginnt die Knallerei, suchen die meisten Hunde von sich aus den Kontakt zum Menschen. Ankuscheln und Sp\u00fcren von N\u00e4he sind absolut erw\u00fcnscht. Manche Hunde m\u00f6gen eine \u201eSchutzh\u00f6hle\u201c, eine kuschelige Decke.<\/li>\n<li>Die Stimmungs\u00fcbertragung vom Menschen auf den Hund darf auf keinen Fall untersch\u00e4tzt werden. Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung ist es, selbst entspannt und gelassen zu sein und nicht etwa nur so zu tun, das sp\u00fcrt der Hund!<\/li>\n<li>Erwarten Sie nicht von Ihrem Hund, dass er v\u00f6llig entspannt ist, wenn er sich sonst sehr aufregt. Eine kleine Verbesserung, indem er sich etwas mehr beruhigt als sonst, ist schon ein gro\u00dfer Schritt. Zu hohe Erwartungshaltungen und Zeitdruck setzen Hund und Mensch unter Druck und wirken sich absolut kontraproduktiv aus.<\/li>\n<li>Seien Sie ein Partner f\u00fcr Ihren Hund, indem Sie Mut und Gelassenheit ausstrahlen.<\/li>\n<li>Nehmen Sie sich qualitativ hochwertige Zeit f\u00fcr Ihren Hund, stehen Sie ihm durch Ihre Anwesenheit zur Seite und lassen Sie ihn kontaktliegen, wenn er das m\u00f6chte.<\/li>\n<li>Kontaktliegen bedeutet nicht: den Hund auf den Arm nehmen, auf den Scho\u00df setzen, herumtragen, streicheln und bedauern. Dies alles verst\u00e4rkt seine Angst.<\/li>\n<li>Ignorieren ist verboten! Viele Trainer geben diesen Ratschlag, damit die Angst des Hundes nicht durch den Besitzer unbewusst best\u00e4tigt wird. Dieser Tipp schie\u00dft weit \u00fcber das Ziel hinaus. Ignoriere ich meinen Hund, der Angst vor etwas hat und bei mir Schutz sucht, dann mache ich ihm unmissverst\u00e4ndlich klar, dass mir seine Sorgen egal sind und er Unterst\u00fctzung bei jemand anderem suchen muss. Dies ist Gift f\u00fcr das gemeinsame Vertrauensverh\u00e4ltnis und die gute Bindung zueinander.<\/li>\n<li>Beginnt der Hund zu hecheln oder zu pf\u00f6teln (Stresssignale), reagiert man darauf am besten mit einem gelassenen \u201eIst alles okay\u201c und das war\u00b4s.<\/li>\n<li>Schalten Sie den Fernseher in einer Lautst\u00e4rke ein, die f\u00fcr Hund und Mensch noch gut ertr\u00e4glich ist, aber den L\u00e4rm von drau\u00dfen etwas abmildert. Dies verhindert eine zu starke Fokussierung auf die Knallger\u00e4usche.<\/li>\n<li>CD mit beruhigender Musik, die dem Buch \u201eMit den Ohren eines Hundes\u201c von Joshua Leeds und Susan Wagner beiliegt (Stichwort Psychoakustik)<\/li>\n<li>CDs mit Silvesterger\u00e4uschen zur Desensibilisierung sind nicht sinnvoll, denn der Hund merkt sehr deutlich den Unterschied zwischen Original und F\u00e4lschung.<\/li>\n<li>Desensibilisierung (langsame Gew\u00f6hnung an den Reiz \u00fcber Verringerung von Distanz) und Gegenkonditionierung (Ausl\u00f6ser kennen lernen und positiv besetzen) k\u00f6nnen in einzelnen F\u00e4llen helfen<\/li>\n<li>Gardinen oder Rollos schlie\u00dfen und Licht anschalten, um die Lichtreflexe von drau\u00dfen zu d\u00e4mpfen<\/li>\n<li>Gassig\u00e4nge nur kurz in der N\u00e4he des Hauses, damit die Hunde wissen, dass sie im Notfall schnell wieder in Sicherheit sind. Besitzen Sie einen Garten, reicht dieser v\u00f6llig aus!<\/li>\n<li>Bei panischen Hunden: doppelte Leinensicherung und immer in der N\u00e4he des Zuhauses oder Autos bleiben! F\u00fcr diese Hunde ist es eine Frage des \u00dcberlebens, ob sie sich an einen sicheren Ort zur\u00fcckziehen k\u00f6nnen oder nicht.<\/li>\n<li>Keine beruhigenden Medikamente verabreichen! Alle Psychopharmaka k\u00f6nnen eine Umschlagwirkung zeigen, d.h. dass es nicht die gew\u00fcnschte Beruhigung bringt, sondern das krasse Gegenteil! Ein weiterer gro\u00dfer Nachteil: Selbst wenn die beruhigende Wirkung eintritt, tut sie das h\u00e4ufig nur auf k\u00f6rperlicher Ebene und nicht auf mentaler. Dies bedeutet, dass der Hund alles wie immer um sich herum wahrnimmt, aber keine Kontrolle mehr \u00fcber seine Gliedma\u00dfen hat, um zu fliehen. Ein tiefsitzendes Trauma ist die Folge.<\/li>\n<li>Von Bach-Bl\u00fcten ist keine Umschlagwirkung bekannt. Allerdings ist eine Erstverschlimmerung der Symptome wie bei der Verabreichung von hom\u00f6opathischen Mitteln in seltenen F\u00e4llen m\u00f6glich. Daher sollten Bach-Bl\u00fcten nicht erst an Silvester, sondern bereits davor getestet werden. Ein seri\u00f6ser Therapeut stellt Ihnen und Ihrem Hund eine individuelle Mischung zusammen.<\/li>\n<li>DAP- Stecker (Dog Appeasing Pheromone) vom Tierarzt: Diese Pheromone sind Duftstoffe, die eine Mutterh\u00fcndin w\u00e4hrend der Laktationsphase zwischen der Milchleiste absondert und die beruhigend auf die Welpen wirken. Dies funktioniert auch noch bei erwachsenen Hunden. Wichtig ist hierbei allerdings, dass Sie dem Hund die Gelegenheit geben, den Raum zu verlassen, wenn er das w\u00fcnscht, denn nicht alle Hunde m\u00f6gen diesen Geruch und nicht auf alle wirkt er beruhigend! Auch hier ist es sinnvoll, nicht erst am Silvesterabend auszuprobieren, welche Reaktionen Ihr Hund zeigt, fangen Sie ruhig schon ein bis zwei Wochen vorher damit an. Auf gar keinen Fall sollten Sie die ebenfalls erh\u00e4ltlichen DAP-Halsb\u00e4nder verwenden, denn einmal angelegt kann der Hund sich eben nicht mehr frei entscheiden, ob er den Geruch sucht oder meidet, sondern er ist ihm ausgeliefert.<\/li>\n<li>Bellt der Hund an Silvester viel, gilt es zu splitten (im Notfall auch durch Barrieren oder Hausleinen, ansonsten mit K\u00f6rper und Hand) und die Verantwortung f\u00fcr die Situation zu \u00fcbernehmen (Stopping Hand-Signal schon vor Silvester aufbauen). Erf\u00e4hrt ein verunsicherter Hund mit Bellproblematik \u00fcber das Jahr hinweg eine Steigerung des Selbstbewusstseins, ist es wahrscheinlich, dass das Bellen kurzzeitig zunimmt, denn der Hund traut sich nun endlich zu sagen, wenn ihm etwas nicht passt. Je selbstbewusster er aber wird, desto weniger wird dann auch das Bellen mit der Zeit, denn er f\u00fchlt sich weniger bedroht. Problem ist oft der Besitzer, der das Bellen unbewusst verst\u00e4rkt (R\u00fcckw\u00e4rtsverkettung, pos. oder neg. Aufmerksamkeit durch Blicke, Worte oder Ber\u00fchrungen). Eine Analyse des Belltyps kann helfen. Je nachdem, was das Ergebnis ist, kann es hilfreich sein, dem Hund etwas zum Kauen oder Lecken zu geben, ihn mental zu besch\u00e4ftigen, ihm zu signalisieren, dass man seine Sorge erkannt hat und die Verantwortung f\u00fcr die Situation \u00fcbernimmt und nicht abwartet, bis er sich in Rage gebellt hat, mit Sichtzeichen zu arbeiten, denn durch den erh\u00f6hten Stresspegel ist der Hund f\u00fcr Worte weniger empf\u00e4nglich.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Langfristige Ma\u00dfnahmen:<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>Das Selbstbewusstsein des Hundes durch K\u00f6rperbewusstseins\u00fcbungen und Schulung des Probleml\u00f6sungsdenken (mentale Besch\u00e4ftigung) st\u00e4rken<\/li>\n<li>Dem Hund den Raum f\u00fcr selbst\u00e4ndiges Denken einr\u00e4umen<\/li>\n<li>Routinen etablieren, die im Laufe der Zeit langsam ge\u00e4ndert werden (Umgebungen \u00e4ndern, Zeiten, in denen der Hund auf sich gestellt ist, erweitern)<\/li>\n<li>Den Hund erkunden lassen (und dieses Verhalten nicht st\u00e4ndig unterbrechen, weil wir die Kontrolle m\u00f6chten oder andere Leute denken k\u00f6nnten, dass wir keine Kontrolle \u00fcber den Hund haben oder die zu erkundenden Dinge in unseren Augen nicht sicher sind) und damit die nat\u00fcrliche Neugier st\u00e4rken<\/li>\n<li>Das eigene Bewusstsein f\u00fcr erlerntes Verhalten schulen (R\u00fcckw\u00e4rtsverkettungen, Assoziationen) und die Prinzipien des h\u00fcndischen Lernverhaltens verstehen<\/li>\n<li>Die K\u00f6rpersprache des eigenen Hundes lesen lernen (Beschwichtigungs- und Stresssignale) und zeitnah darauf reagieren, nicht erst, wenn er schon im schlechten Verhalten drin steckt<\/li>\n<li>Sich der eigenen K\u00f6rpersprache und Stimme bewusst sein (bedrohen Sie Ihren Hund nicht \u2013 weder bewusst noch unbewusst \u2013, wenn er sowieso schon Angst hat)<\/li>\n<li>Die Gesundheitssituation (akut und chronisch) des Hundes regelm\u00e4\u00dfig \u00fcberpr\u00fcfen! &#8211; Der Gedanke, dass es eine Fluchtm\u00f6glichkeit gibt, beruhigt<\/li>\n<li>Der Hund sollte das, wovor er Angst hat, kennen lernen d\u00fcrfen<\/li>\n<li>Der Hund darf die Entscheidung treffen, nach Hause oder auch mal gar nicht raus gehen zu wollen<\/li>\n<li>Dem Hund das Gef\u00fchl geben, dass er Dinge beeinflussen kann<\/li>\n<li>\u00dcbungssituationen gestalte ich so, dass der Hund Erfolg haben kann!<\/li>\n<li>Stressreduktion!<\/li>\n<li>Kauen und Lecken beruhigt<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beitrag von <a href=\"http:\/\/www.begegnungstraum.de\/\">www.begegnungstraum.de<\/a> 2015<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hunde reagieren an Silvester sehr sensibel (manchmal sogar solche, die sonst keine Probleme mit Sch\u00fcssen oder Gewitter haben), weil sie einem wahren Feuerwerk der Sinneswahrnehmungen ausgesetzt sind. 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