{"id":1803,"date":"2025-11-09T09:21:35","date_gmt":"2025-11-09T08:21:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/?p=1803"},"modified":"2025-11-09T09:21:36","modified_gmt":"2025-11-09T08:21:36","slug":"eskalationsstufen-der-angst-bei-hunden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/eskalationsstufen-der-angst-bei-hunden\/","title":{"rendered":"Eskalationsstufen der Angst bei Hunden"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Angelehnt an die Eskalationsstufen, die Feddersen-Petersen (2008) f\u00fcr das Aggressionsverhalten bei Hunden etabliert hat, kann man auch das Angstverhalten beschreiben. Das kann hilfreich sein, wenn es in der Evaluation und im Trainingsprozess darum geht, f\u00fcr den Hund ein leistbares Umfeld zu schaffen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Ausgangspunkt dieser Einteilung ist ein Hund, der sich in einem neutralen Gem\u00fctszustand befindet. Er ist entspannt, nimmt seine Umgebung wahr, ohne einen Reiz, der seine Aufmerksamkeit \u00fcber das Ma\u00df erregt. Sein Blick ist ungerichtet, das Ohrenspiel ist tr\u00e4ge, der K\u00f6rper und das Gesicht entspannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beginnt ein Hund, Furcht oder Angst zu versp\u00fcren, sind die \u00dcberg\u00e4nge flie\u00dfend. Angstverhalten basiert weniger auf Erfahrungswerten und liegt im Ausdrucksverhalten zwischen Elementen von Unsicherheit und Ambivalenz, die dann durch die 3- bzw. 4-F-Verhaltenskette abgel\u00f6st wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Erste Stufe: Unsicherheit<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Hund wirkt z\u00f6gerlich, der Gang ist stockend, das Ohrenspiel kann intensiv sein oder die Ohrmuscheln sind auf die vermeintliche Bedrohung ausgerichtet. \u00dcber alle Sinne versucht der Hund, die Situation besser einzusch\u00e4tzen: Er horcht, sondiert mit Blicken und wittert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Zweite Stufe: Fiddle und Freeze<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Hund wird zunehmend unruhiger oder nerv\u00f6ser. Abh\u00e4ngig von der verorteten Bedrohung kann er sich deeskalierend und dem\u00fctig beispielsweise einem Artgenossen zuwenden: Der K\u00f6rper ist weich, dynamisch und wird geduckt gehalten, gegebenenfalls Andeutungen von Vorderk\u00f6rpertiefstellung als Spielaufforderung (fiddle), licking intentions oder, wenn m\u00f6glich, Lefzenlecken. Der Blick ist auf den Artgenossen ausgerichtet, das Ohrenspiel ist aktiv.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ist die Bedrohung weniger gut auszumachen, weigert der Hund sich weiterzugehen\u00a0\u2013 er friert ein (freeze), versucht aber m\u00f6glicherweise auch, sich in entgegengesetzter Richtung zu entziehen. Die Rute kann, muss aber nicht unter den K\u00f6rper geklemmt werden. Der Blick ist auf die vermeintliche Bedrohung gerichtet. Die Ohren werden dabei leicht angelegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Dritte Stufe: Fright<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Hund zeigt leichte Stresssymptome, der Blick ist unruhig mit vergr\u00f6\u00dferten Pupillen, abgewandt oder starrend auf das bedrohliche Objekt, die Ohren sind angelegt, die Fibrissen aufgestellt. Der K\u00f6rper ist gebeugt oder rund und angespannt. Er hechelt oder sabbert leicht. Das Anheben einer Pfote ist ein Zeichen von Eskalationsbereitschaft in Richtung Flucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Vierte Stufe: Fright zu Flight (Flucht)<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Unruhe des Hundes nimmt zu. Er zeigt deutlich z. B. Zittern der Muskulatur, Hecheln, Zur\u00fcckziehen der Lefzen mit langer Maulspalte, deutliches Anlegen der Ohren. Der Blick ist gerichtet oder ungerichtet, abh\u00e4ngig von der Bedrohung, mit weit aufgerissenen Augen. Man spricht dann auch von Walaugen, weil sie hervortreten und das Wei\u00dfe, die Sklera, sichtbar wird. Der Hund macht sich klein und rund. Die Rute ist jetzt unter den K\u00f6rper gezogen. Nun zeigt der Hund ausgepr\u00e4gt seine Intention, die Distanz zur Bedrohung zu vergr\u00f6\u00dfern. Wenn es ihm m\u00f6glich ist, fl\u00fcchtet er. Der Hund kann jetzt vermutlich nicht mehr auf Ansprache reagieren oder kommunizieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<h2 style=\"text-align: justify;\">F\u00fcnfte Stufe: Vorbereitung auf den Kampf (Fight)<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Hund zeigt extreme Symptome von Stress, wie z. B. massives Zittern am ganzen K\u00f6rper, speicheln, unkontrollierter Harn- oder Kotabsatz, Voll-Z\u00e4hneblecken und abschnappen. Die Augen sind aufgerissen, die Ohren angelegt. Der K\u00f6rper bereitet sich auf den \u00dcberlebenskampf vor. Die letzten Stufen sind vor allem Situationen vorbehalten, in denen der Hund aktiv durch ein anderes Lebewesen bedr\u00e4ngt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Sechste Stufe: Fight<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im \u00dcberlebenskampf bei\u00dft der Hund ungerichtet um sich, schreit und versucht vehement zu fliehen. In schnellem Wechsel kann es auch zu zielgerichteten Attacken kommen, mit aufgestellten Ohren und gerichtetem Blick, wenn der Hund eine Chance sieht, die Lebensbedrohung zu vernichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der Arbeit mit sogenannten Angsthunden sollte man bei der Konfrontation nicht \u00fcber Stufe 3 gehen. Der Stress des Hundes ist danach h\u00e4ufig so hoch, dass er nicht mehr aufnahme- oder lernf\u00e4hig ist. Einen Hund in eine solche Situation zu bringen, w\u00e4re tierschutzrelevant.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Rahmen der ersten drei Stufen und mit guter Begleitung kann der Hund durchaus lernen, dass keine Bedrohung besteht, oder durch Coping-Strategien gest\u00e4rkt sicherer aus der Situation hervorzugehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angelehnt an die Eskalationsstufen, die Feddersen-Petersen (2008) f\u00fcr das Aggressionsverhalten bei Hunden etabliert hat, kann man auch das Angstverhalten beschreiben. 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