{"id":1448,"date":"2017-09-17T21:54:43","date_gmt":"2017-09-17T19:54:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/?p=1448"},"modified":"2017-10-18T08:02:55","modified_gmt":"2017-10-18T06:02:55","slug":"domestikation-macht-hunde-nicht-zu-besseren-teamplayern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/domestikation-macht-hunde-nicht-zu-besseren-teamplayern\/","title":{"rendered":"Domestikation macht Hunde nicht kooperativer"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_1449\" aria-describedby=\"caption-attachment-1449\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1449\" src=\"http:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/wsc-300x161.jpg\" alt=\"In Sachen Teamwork sind W\u00f6lfe ihren domestizierten Nachfahren \u00fcberlegen. (Foto: Wolf Science Center\/Vetmeduni Vienna)\" width=\"300\" height=\"161\" srcset=\"https:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/wsc-300x161.jpg 300w, https:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/wsc.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1449\" class=\"wp-caption-text\">In Sachen Teamwork sind W\u00f6lfe ihren domestizierten Nachfahren \u00fcberlegen. (Foto: Wolf Science Center\/Vetmeduni Vienna)<\/figcaption><\/figure>\n<h1>Domestikation macht Hunde nicht zu besseren Teamplayern<\/h1>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Durch die Domestikation sollten Hunde mit Menschen und Artgenossen toleranter und kooperativer umgehen als W\u00f6lfe. So lauten zumindest einige Hypothesen. Der gemeinschaftliche Umgang in bestimmten Lebensbedingungen spricht jedoch f\u00fcr ein kooperativeres Verhalten bei W\u00f6lfen. Forschende des Messerli Forschungsinstituts an der Vetmeduni Vienna bewiesen nun, dass die wilden Vorfahren tats\u00e4chlich ihre domestizierten Verwandten in Sachen Teamwork ausstechen. Hunde scheiterten an der Aufgabe, zu zweit gleichzeitig f\u00fcr eine Futtergabe an den Enden eines Seils zu ziehen. Die W\u00f6lfe zeigten dagegen perfektes Teamwork. Sie warteten sogar auf einen Partner, um gemeinsam ans Futter zu kommen. Die Studie wurde in PNAS ver\u00f6ffentlicht.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hunde wurden domestiziert, damit der Mensch einen perfekten vierbeinigen Begleiter an seiner Seite hatte. Auf Eigenschaften wie Toleranz und Kooperationsverhalten wurde daher bei der Selektion viel Wert gelegt. Deshalb gibt es viele Hypothesen, dass Hunde damit auch Artgenossen gegen\u00fcber toleranter und kooperationsbereiter als W\u00f6lfe geworden sind. Gegen diese Theorien spricht jedoch der sozio\u00f6kologische Hintergrund bei W\u00f6lfen, den n\u00e4chsten freilebenden Verwandten von unseren vierbeinigen Begleiter, die einen sehr sozialen Umgang miteinander in ihrem nat\u00fcrlichen Lebensraum haben.<br \/>\nVerhaltensforscherInnen vom Wolf Science Center der Vetmeduni Vienna testeten nun mit einem sogenannten \u201eloose-string\u201c Versuchsaufbau, ob die Domestikation Hunde wirklich zu besseren Teamplayern gemacht hat. Die Studie zeigte, dass W\u00f6lfe zusammenarbeiten k\u00f6nnen, wenn sie nur gemeinsam an Futter kommen. Rudellebende Hunde hatten zwar das gleiche Interesse an den Aufgaben, sie waren im Gegensatz zu den W\u00f6lfen aber nicht in der Lage zu kooperieren und gingen dadurch leer aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gemeinsam an einem Strang ziehen<\/strong><br \/>\nUm festzustellen, ob W\u00f6lfe oder Hunde besser zusammenarbeiten k\u00f6nnen, teilte das Team Hunde und W\u00f6lfe, die gleich aufgezogen und gehalten werden, in Zweierteams ein. Anschlie\u00dfend mussten die Zweiergruppen gleichzeitig an den beiden Enden eines Seils ziehen, um ein Futtertablett zu sich ziehen zu k\u00f6nnen. \u201eBeim loose-string paradigm wird ein Seil durch \u00d6sen in einem Tablett gezogen. Es ist somit nicht fixiert, sondern kann durchgezogen werden, wenn nicht zwei Tiere gleichzeitig an den Enden ziehen. L\u00e4sst etwa ein Tier das andere nicht zum Seil und zieht alleine, dann zieht es das Seil aus der Vorrichtung und das Tablett bleibt unerreichbar, erkl\u00e4rt Erstautorin Sarah Marshall-Pescini.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>W\u00f6lfe stechen Hunde in Sachen Teamwork aus<\/strong><br \/>\nZuerst mussten die Zweierteams einen Spontantest l\u00f6sen. Das hei\u00dft, sie wurden nicht speziell auf\u00a0 den Test vorbereitet, sondern sollten von sich aus \u00fcber mehrere Versuche die Aufgabe verstehen. F\u00fcnf von sieben Wolfsp\u00e4rchen schafften es zumindest einmal gleichzeitig an den Seilenden zu ziehen. Bei den Hunden schaffte es dagegen nur eines von acht P\u00e4rchen. In einem zweiten Test trainierten vier Wolfs- und 6 Hunde-Zweierteams zuerst an der Vorrichtung und hatten dann sechs Versuche, die Aufgabe richtig zu l\u00f6sen. Wieder zeigten die W\u00f6lfe das bessere Teamwork. Drei Wolfsp\u00e4rchen konnten wiederholt das Tablett gleichzeitig zu sich ziehen. Bei den Hunden waren es zwei P\u00e4rchen, die allerdings nur einmal die Aufgabe l\u00f6sen konnten.<br \/>\nDie erfolgreichen W\u00f6lfe waren sogar in der Lage schwierigere Aufgabenstellungen zu l\u00f6sen. Lie\u00df man sie einzeln in das Versuchsgehege, dann warteten sie auf den Partner, bevor sie an dem Seil zogen. Auch wenn es zwei Apparaturen gab, waren die Tiere in der Lage sich abzustimmen und gemeinsam erste die eine und dann die andere Aufgabe zu l\u00f6sen. Ein wichtiger Aspekt war dabei jedoch der Rang der Tiere im Rudel. Sozial gleichgestellte Tiere arbeiteten besser zusammen, als ein Team mit einem sozial h\u00f6her gestellten und einem Tier mit einem niederen Rang im Rudel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Domestikation schafft nicht zwingend die besseren Teamplayer<\/strong><br \/>\nDas Ergebnis dieses Experiments zeigt eindeutig den sozio\u00f6kologischen Hintergrund der W\u00f6lfe als Vorteil auf, wenn es um Teamwork geht. \u201eW\u00f6lfen wird zwar generell ein st\u00e4rkerer explorativer Drang Dinge zu erkunden nachgesagt. Sie stachen die Hunde aber eindeutig aus, als es darum ging sich mit einem Partner abzustimmen\u201c, erkl\u00e4rt Letztautorin Friederike Range. Auch in freier Wildbahn jagen sie gemeinsam und ziehen auch gemeinsam ihre Jungen auf. Freilebende Hunde ziehen dagegen ihre Junge alleine auf und suchen auch haupts\u00e4chlich einzeln nach Futter, meist menschlichen Abf\u00e4llen. Die Tendenz Aufgaben gemeinsam zu l\u00f6sen scheint somit den W\u00f6lfen eher im Blut zu liegen, als dass sie die Domestikation verst\u00e4rkt h\u00e4tte.<br \/>\nDie Hypothesen zum positiven Einfluss der Domestikation auf Toleranz gegen\u00fcber und Kooperation mit Artgenossen sollten laut Marshall-Pescini und Range in Frage gestellt werden. \u201eStudien mit Haushunden zeigten zwar, dass Hunde auch in der Lage sind gut zusammenzuarbeiten. Allerdings spielt in diesem Fall auch die Erziehung durch den Menschen die ausschlaggebende Rolle. Wer mehrere Hunde bei sich zu Hause h\u00e4lt, wird sie so erziehen, dass sie sich tolerieren und auch kooperativer miteinander umgehen. Freilebende Hunde, die ja auch domestiziert wurden,\u00a0 sp\u00fcren diese erzieherische Ma\u00dfnahme nicht. Deswegen war es uns wichtig, bei diesen Tests nicht mit Haustieren zu arbeiten und so die menschliche Komponente auszuschlie\u00dfen\u201c, so die beiden Forscherinnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><a href=\"http:\/\/www.pnas.org\/content\/early\/2017\/10\/11\/1709027114.full\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Der Artikel \u201eThe importance of a species\u2019 socio-ecology: Wolves outperform dogs in a conspecific cooperation task\u201c von Sarah Marshall-Pescini, Jonas F.L. Schwarz, Inga Kostelnik, Zs\u00f3fia Vir\u00e1nyi und Friederike Range wurde in PNAS als \u201eEarly Edition\u201c ver\u00f6ffentlicht.<\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: vetmeduni.ac.at<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Domestikation macht Hunde nicht zu besseren Teamplayern Durch die Domestikation sollten Hunde mit Menschen und Artgenossen toleranter und kooperativer umgehen als W\u00f6lfe. 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