{"id":1186,"date":"2016-04-18T23:37:04","date_gmt":"2016-04-18T21:37:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/?p=1186"},"modified":"2016-04-19T06:41:37","modified_gmt":"2016-04-19T04:41:37","slug":"fuchsbandwurm-perfekt-getarnter-eindringling","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/fuchsbandwurm-perfekt-getarnter-eindringling\/","title":{"rendered":"Fuchsbandwurm: Perfekt getarnter Eindringling"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Gegen den Fuchsbandwurm ist kein Kraut gewachsen. Nistet er sich in der Leber ein, kann man ihn nur am Weiterwachsen hindern. Seine DNA soll nun Schwachstellen enttarnen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<figure id=\"attachment_1187\" aria-describedby=\"caption-attachment-1187\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1187\" src=\"http:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/fuchsbandwurm-300x200.jpg\" alt=\"\u00a9Pim Leijen-Fotolia.com\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/fuchsbandwurm-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.kynologen.at\/_blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/fuchsbandwurm.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1187\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9Pim Leijen-Fotolia.com<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie sind sehr klein \u2013 mit blo\u00dfem Auge kaum zu erkennen. Doch wenn sie sich einmal eingenistet haben, sind sie quasi unsterblich. Sie bilden eine Finnengewebe genannte Struktur, die w\u00e4chst und w\u00e4chst und als Tumor vorzugsweise die menschliche Leber bef\u00e4llt. Man kann den Tumor chemisch bek\u00e4mpfen, um das Wachstum in Schach zu halten. Doch zerst\u00f6ren kann man ihn nicht. Sobald man den Kampf einstellt, wuchert er weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was wie eine Szene aus einem Alien-Film klingt, beschreibt nur, was passieren kann, wenn die Eier des Fuchsbandwurms in den Menschen gelangen. Dabei ist der Mensch gar kein typischer End- oder Zwischenwirt des Parasiten \u2013 im Gegensatz zu infizierten Nagetieren oder vereinzelt auch Hunden. Anders als beim harmlosen Rinderbandwurm (von dem meistens die Rede ist, wenn es hei\u00dft, jemand habe &#8222;einen Bandwurm&#8220;). W\u00e4hrend der Mensch einen Rinderbandwurm als Endwirt n\u00e4mlich irgendwann komplett wieder ausscheidet, ohne dabei nennenswerte Sch\u00e4den davonzutragen, wird er die infekti\u00f6sen Eier beziehungsweise Larven des Fuchsbandwurms (Echinococcus multilocularis) nicht mehr los.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Folge ist eine alveol\u00e4re Echinokokkose. So lautet der Fachbegriff f\u00fcr die Fuchsbandwurmerkrankung. Betroffene Patienten mit inoperablen Tumoren in der Leber (seltener in anderen Organen) m\u00fcssen in der Regel lebenslang Anti-Parasiten-Medikamente wie Albendazol und Mebendazol einnehmen. Ein Problem ist jedoch, dass knapp zehn Prozent von ihnen nach l\u00e4ngerer Einnahme Unvertr\u00e4glichkeiten entwickeln und unter Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Durchfall und Bauchschmerzen leiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Meister im Verstecken<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Forscher arbeiten darum an effektiveren und besser vertr\u00e4glichen Medikamenten. Einer von ihnen ist der Mikrobiologe Klaus Brehm. &#8222;Nur in 20 bis 30 Prozent der F\u00e4lle ist es m\u00f6glich, die Tumoren chirurgisch zu entfernen und den Parasiten durch eine sich anschlie\u00dfende, zeitlich begrenzte Medikamenteneinnahme restlos zu entfernen. Dann n\u00e4mlich, wenn die Erkrankung fr\u00fchzeitig diagnostiziert wurde und die Tumoren noch klein sind&#8220;, sagt Brehm, der Professor f\u00fcr Medizinische Parasitologie im Institut f\u00fcr Hygiene und Mikrobiologie an der Universit\u00e4t W\u00fcrzburg ist. &#8222;Doch oft vergehen nach der Infektion 10 bis 15 Jahre, bis sich eindeutige Symptome zeigen \u2013 dann ist es f\u00fcr eine Operation meist zu sp\u00e4t.&#8220; Und zu sp\u00e4t auch daf\u00fcr, den genauen Infektionsweg zu rekonstruieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;Das Larvengewebe steckt wie ein perfekt transplantiertes Organ im K\u00f6rper des Menschen&#8220; (Klaus Brehm)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr Brehm und sein Team aus Postdocs, Doktoranden und Masterstudierenden ist der Parasit, der zur Familie der Plattw\u00fcrmer geh\u00f6rt, eine harte Nuss. Die Grundlagenforscher wollen im Labor die Genfunktionen des Fuchs- und des verwandten Hundebandwurms knacken und anschlie\u00dfend so manipulieren, dass sich sp\u00e4ter aus diesen Erkenntnissen effektivere Medikamente oder Impfstoffe entwickeln lassen. Die sollen dann dem Parasiten schnell den Garaus machen. &#8222;Der Fuchsbandwurm hat eine unter den Lebewesen einzigartige Regenerationsf\u00e4higkeit. Und wir wollen herausfinden, wie er dabei mit seinem Wirt interagiert&#8220;, erl\u00e4utert Brehm. Vor ein paar Jahren hat er mit seinem Team die Basis daf\u00fcr gelegt: Sie haben das Erbgut verschiedener Bandwurmarten entziffert und eine Methode entwickelt, den Parasiten im Labor so heranzuz\u00fcchten, wie er auch in der Leber eines Patienten w\u00e4chst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Brehms Arbeit geht jedoch \u00fcber Grundlagen f\u00fcr die Entwicklung besserer Therapiem\u00f6glichkeiten hinaus: Sie k\u00f6nnte ebenfalls gro\u00dfe Fortschritte f\u00fcr die Transplantationsmedizin bedeuten. &#8222;Das Larvengewebe steckt n\u00e4mlich wie ein perfekt transplantiertes Organ im K\u00f6rper des Menschen, das Immunsystem kann ihm nichts anhaben&#8220;, erl\u00e4utert der Mikrobiologe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese f\u00fcr Laien gruselige und f\u00fcr Forscher faszinierende Eigenart l\u00e4sst dem Mikrobiologen und seinen Kollegen keine Ruhe. Brehm: &#8222;Wie schaffen es die W\u00fcrmer, sich so gut zu tarnen? Mit welchen Strategien halten sie sich das Immunsystem vom Leib?&#8220; Gelingt es, den Mechanismus der Tarnkappe zu durchschauen, k\u00f6nnte man diese Erkenntnis beispielsweise konstruktiv nutzen, um transplantierte Organe entsprechend zu verbergen und vor dem Angriff des Immunsystems zu sch\u00fctzen. Profitieren k\u00f6nnten theoretisch auch Allergiker und Patienten mit Autoimmunkrankheiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es sind also mehrere Baustellen, auf denen die W\u00fcrzburger Forscher die Genanalyse des Bandwurms vorantreiben wollen. F\u00fcr seine Arbeit hat die Organisation \u00c4rzte ohne Grenzen Brehm k\u00fcrzlich den diesj\u00e4hrigen Memento-Forschungspreis f\u00fcr vernachl\u00e4ssigte Krankheiten verliehen. Zudem ist die AG Brehm Teil eines internationalen Forschungskonsortiums, das neue Strategien f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung von Bilharziose und Bandw\u00fcrmern finden will. Der britische Wellcome Trust f\u00f6rdert das Gesamtvorhaben in den kommenden f\u00fcnf Jahren mit insgesamt f\u00fcnf Millionen Euro. 750 000 Euro davon flie\u00dfen in Brehms Teilprojekt nach W\u00fcrzburg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Fuchs geht um<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die f\u00fcr Menschen gef\u00e4hrlichere und bei Nichtbehandlung lebensbedrohliche Fuchsbandwurmkrankheit ist (noch) nicht sehr weit verbreitet \u2013 und spielt deshalb in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung tats\u00e4chlich eine &#8222;vernachl\u00e4ssigte&#8220; Rolle. W\u00e4hrend der besser behandelbare Hundebandwurm (Echinococcus granulosus) auf Grund schlechter hygienischer Verh\u00e4ltnisse haupts\u00e4chlich in Entwicklungsl\u00e4ndern in Afrika und S\u00fcdamerika j\u00e4hrlich weltweit bis zu 300 000 Menschen neu infiziert, ist der Fuchsbandwurm jedoch direkt vor unserer Haust\u00fcr endemisch: in Deutschland und in anderen west- und mitteleurop\u00e4ischen L\u00e4ndern, vermehrt seit einiger Zeit auch in China und Japan. In Deutschland finden sich die meisten Patienten in Baden-W\u00fcrttemberg und Bayern. Wegen ihrer schwer wiegenden Folgen ist die Infektion mit dem Fuchsbandwurm mittlerweile sogar meldepflichtig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pro Jahr werden dem Robert Koch-Institut in Berlin und dem Uniklinikum Ulm, einem der Standorte des Europ\u00e4ischen Echinokokkose-Registers, zirka 40 neue Erkrankungsf\u00e4lle gemeldet. Experten sch\u00e4tzen jedoch, dass tats\u00e4chlich mindestens dreimal so viele Menschen erkranken. Das Ansteckungsrisiko k\u00f6nnte gerade in Deutschland in den zur\u00fcckliegenden Jahrzehnten gewachsen sein, denn durch die Erfolge bei der Tollwutbek\u00e4mpfung leben heute mehr F\u00fcchse in Deutschland als fr\u00fcher. Der Fuchsbandwurm wird nicht von Mensch zu Mensch, sondern ausschlie\u00dflich durch direkten Kontakt mit ausgeschiedenen Wurmeiern im Fuchskot \u00fcbertragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Spuren davon k\u00f6nnen sich am Fell herumstromernder Hunde und Katzen, auf Pflanzen oder auch in der Erde befinden. Haupts\u00e4chlich betroffen sind deshalb Personen, die in der Land- und Forstwirtschaft arbeiten. Die genauen \u00dcbertragungswege sind allerdings noch nicht im Detail erforscht. Fest steht jedoch: In dem Ma\u00df, wie der anpassungsf\u00e4hige Wald- und Wiesenbewohner Fuchs sich in st\u00e4dtischen Parks wohlf\u00fchlt, r\u00fcckt der gef\u00e4hrliche Parasit n\u00e4her auch an St\u00e4dter heran.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den klassischen Symptomen einer Echinokokkose geh\u00f6ren unter anderem Schmerzen und ein starkes Druckgef\u00fchl im Oberbauch, Fieber, M\u00fcdigkeit und Gewichtsverlust. Die Tumoren sind dann meistens schon deutlich bei einer kl\u00e4renden Ultraschalluntersuchung zu erkennen. &#8222;Haus\u00e4rzte, die noch nie mit einer Echinokokkose konfrontiert worden sind, stellen m\u00f6glicherweise trotzdem zun\u00e4chst eine Fehldiagnose und \u00fcberweisen ihre Patientin oder ihren Patienten an die Onkologie&#8220;, sagt Beate Gr\u00fcner, Internistin mit Spezialgebiet Infektiologie im Uniklinikum Ulm. Sie betreut die dortige Echinokokkose-Ambulanz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Nachweis \u00fcber Antik\u00f6rper<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diagnostiziert wird die Infektion durch eine Kombination von Ultraschalluntersuchung und speziellen Antik\u00f6rpertests. Doch nicht immer k\u00f6nnen diese Antik\u00f6rper gegen den Fuchsbandwurm zweifelsfrei nachgewiesen werden. Umgekehrt bedeutet ein positives Testergebnis nicht automatisch, dass es tats\u00e4chlich zu einer Erkrankung kommt. Zus\u00e4tzliche Sicherheit bringt die feingewebliche Untersuchung von Operationspr\u00e4paraten und Gewebeproben der Leber oder anderer Organe durch Pathologen. Au\u00dferdem l\u00e4sst sich durch DNA-Untersuchungen in Gewebeproben die Erbinformation der Erreger nachweisen. Und: Eine immunhistochemische Methode, die der Ulmer Pathologe Thomas Barth entwickelt hat, erm\u00f6glicht die Unterscheidung von Fuchs- und Hundebandwurminfektion, was vor ein paar Jahren noch nicht treffsicher m\u00f6glich war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Aber das geh\u00f6rt nat\u00fcrlich nicht zur Routinediagnostik in einer Hausarzt- oder Internistenpraxis&#8220;, sagt Beate Gr\u00fcner. Sie sch\u00e4tzt, dass die Echinokokkose etwa bei der H\u00e4lfte der F\u00e4lle zuf\u00e4llig bei einem normalen Vorsorge-Check-up entdeckt wird. Es sei also vielfach Gl\u00fcckssache, in welchem Stadium die Echinokokkose entdeckt werde. Wie viele Mediziner w\u00fcnscht sich Gr\u00fcner bessere Therapiem\u00f6glichkeiten: &#8222;Wir haben heute noch die gleichen Therapeutika wie vor Jahrzehnten. Zwar k\u00f6nnen die Patienten, die die Mittel gut vertragen, damit sehr alt werden. Dennoch w\u00e4ren Medikamente w\u00fcnschenswert, die nur zeitlich befristet gegeben werden m\u00fcssten und den Organismus weniger belasten.&#8220; Ein weiteres Argument sind die betr\u00e4chtlichen Kosten: Derzeit schl\u00e4gt die Therapie eines Patienten mit rund 590 Euro im Monat zu Buche \u2013 also knapp 7200 Euro pro Jahr, sagt Gr\u00fcner.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;In der Infektionsforschung liegen wir mit dem Wissen \u00fcber Wurmparasiten weit zur\u00fcck&#8220;, best\u00e4tigt auch der Fuchsbandwurmforscher Klaus Brehm. &#8222;Der wichtigste Grund ist sicherlich, dass das Erbgut der Erreger lange nicht entschl\u00fcsselt war. Au\u00dferdem fehlen nach wie vor Methoden, um die Genfunktionen der W\u00fcrmer im Labor noch besser analysieren zu k\u00f6nnen. Das aber w\u00e4re n\u00f6tig, um Angriffspunkte f\u00fcr Medikamente oder Impfstoffe zu finden.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: Spektrum.de (Mareike Knoke )<br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gegen den Fuchsbandwurm ist kein Kraut gewachsen. Nistet er sich in der Leber ein, kann man ihn nur am Weiterwachsen hindern. Seine DNA soll nun Schwachstellen enttarnen. Sie sind sehr klein \u2013 mit blo\u00dfem Auge kaum zu erkennen. 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