Je länger ein Hund seine Nase einsetzt, desto ruhiger, entspannter und geistig müder wird er. Interessant sind hierzu auch Studien, die belegen, dass das Suchen mit der Nase die Herzfrequenz des Hundes senkt, ihn entspannt und seinen Parasympatikus aktiviert. Im Gegensatz dazu erhöhen aufregende Aktivitäten, wie etwa Ball- und Fangspiele, seinen Puls.

Wenn wir mit unserem Hund an einem fremden Ort sind und wir wissen, dass dies für den Hund stressig ist, dann versuchen wir häufig die Aufmerksamkeit des Hundes auf uns zu lenken in der Annahme, dass dies dem Hund helfen würde und wir so die Kontrolle behalten. Wir fühlen uns nämlich nicht wohl dabei, wenn der Hund nervös herumläuft und scheinbar nicht kontrollierbar ist bzw. an der Leine zieht und vielleicht auch noch jammert oder bellt. Solche Verhaltensweisen sind für uns Menschen sehr schwer auszuhalten.

Daher wird in Hundeschulen oft der Blickkontakt trainiert, sozusagen als Alternativverhalten zum aufgeregten Hin-und Herrennen. Die Idee dahinter ist: „Wenn der Hund sich auf mich konzentriert, kann er sich nicht auf die Umwelt konzentrieren. Und da ihn die Umwelt anscheinend stresst, wird er ruhiger, wenn er sich auf mich konzentriert.“ Das klingt zwar plausibel, entspricht aber leider nicht der Realität.

Studie von Lucy d’Auvergne (Dog Behaviorist, UK)

Sie ist der Forschungsfrage nachgegangen „Ist Nasenarbeit effektiver zur Stressreduktion als der Fokus auf den Menschen in einer neuen Situation/Umgebung?“. Dazu hat sie mit 59 Hunden folgenden Versuch gemacht. Der Besitzer musste mit seinem Hund 2 Mal eine 60-Meter lange Strecke zurücklegen. Beim ersten mal an lockerer Leine, der Hund durfte nicht schnuppern sondern war auf seinen Menschen fixiert. Beim zweiten Mal wurde auf der gleichen Strecke eine Spur gelegt, um den Hund dazu zu animieren, die Nase am Boden zu halten und der Spur über diese 60 Meter zu folgen. Der Hund sollte also schnüffeln und sich nicht auf den Menschen konzentrieren. Dabei hat sie 2 Dinge beobachtet:

  • Welche Verhaltensweisen zeigt der Hund, die auf Stress hindeuten, z.B. hecheln, sich schütteln, etc.?
  • Wie stark variiert die Herzfrequenz? Das wurde mittels Herzfrequenzmesser festgestellt.

Was war das Resultat?

  • Die Hunde zeigten halb so viele Stresssignale, wenn sie schnüffelten anstatt sich auf den Menschen zu konzentrieren.
  • Hunde, die schnüffelten, hatten 20% weniger körperlichen Stress gemessen an der Herzfrequenzvariabilität, als Hunde, die nicht schnüffelten bzw. sich am Menschen orientierten.

Daraus lässt sich schließen, dass Nasenarbeit effektiver zur Stressreduktion geeignet ist, als der Fokus auf den Menschen in neuen Umgebungen oder Situationen.

Wie wirkungsvoll ist Schnuppern für Hunde

  • Schnüffeln Hunden dabei hilft, optimistischer zu werden, was die Resilienz und das emotionale Wohlbefinden positiv beeinflusst.
  • Schultz hat schon 2006 herausgefunden, dass beim Schnüffeln mehr Dopamin im Gehirn ausgeschüttet wird. Dopamin ist ein Neurotransmitter, der ein gutes Gefühl im Körper hervorruft. Man fühlt sich also besser, wenn Dopamin ausgeschüttet wird.
  • Schnüffeln kann den Erregungslevel senken und Ruhe fördern. Hier ist wichtig zu betonen, dass dies stattfinden KANN aber nicht unbedingt auf alle Hunde zutrifft.
  • Schnüffeln ist ethologisch gesehen eine absolute Notwendigkeit, da dies zur Futtersuche dazugehört. Ohne seine Nase würde der Hund kein Futter finden. Studien an Straßenhunden haben gezeigt, dass Hunde sehr viel Zeit damit verbringen, Futter zu suchen.
  • Schnüffeln wird von Hunden selbst auch als Beschwichtigungssignal bzw. Übersprungshandlung eingesetzt, wenn sie sich ein bisschen unwohl fühlen. Sie verwenden es selbst, um sich und die Umwelt zu beruhigen.
  • Schnüffeln ist also ein natürliches Verhalten, das wir unseren Familienhunden nicht nur viel mehr erlauben sollten, sondern das wir auch zur Stressreduktion und Therapie gezielt einsetzen können!

Wirkung  auf das Stressniveau und das Wohlbefinden

Die Fähigkeit des Hundes, seine Nase einzusetzen, ist nicht nur ein evolutionär bedeutsames Merkmal, sondern spielt auch eine zentrale Rolle für das emotionale und physiologische Wohlbefinden. Zahlreiche Studien belegen, dass Nasenarbeit – also das gezielte Einsetzen des Geruchssinns – zu einer Senkung der Herzfrequenz, einer Aktivierung des Parasympathikus und damit zu einer Entspannung des Hundes führt. Im Gegensatz dazu können aufregende Aktivitäten wie Ball- und Fangspiele den Puls erhöhen und das Stressniveau steigern.

Nasenarbeit als therapeutischer Ansatz

Insbesondere in neuen oder potenziell stressreichen Umgebungen wird häufig versucht, die Aufmerksamkeit des Hundes auf den Menschen zu lenken, um Kontrolle zu behalten und Stress zu reduzieren. In Hundeschulen wird daher oft der Blickkontakt als Alternativverhalten zum nervösen Umherlaufen trainiert. Die Annahme, dass die Konzentration auf den Menschen zu einer Beruhigung führt, ist jedoch wissenschaftlich nicht haltbar.
Eine Studie von Lucy d’Auvergne (2017) untersuchte, ob Nasenarbeit effektiver zur Stressreduktion beiträgt als der Fokus auf den Menschen. In einem kontrollierten Versuch mit 59 Hunden zeigte sich, dass Hunde, die einer Geruchsspur folgten, halb so viele Stresssignale zeigten und eine um 20 % geringere Herzfrequenzvariabilität aufwiesen als Hunde, die auf den Menschen fixiert waren. Daraus lässt sich schließen, dass Nasenarbeit eine wirksame Methode zur Stressreduktion darstellt, insbesondere in neuen Situationen.

Weitere wissenschaftliche Erkenntnisse

  • Optimismus und Resilienz: Horowitz und Duranton (2018) konnten nachweisen, dass Nasenarbeit bei Hunden zu einer optimistischeren Grundhaltung führt und das emotionale Wohlbefinden sowie die Resilienz stärkt. Hunde, die regelmäßig Nasenarbeit betreiben, zeigen in kognitiven Tests eine positivere Erwartungshaltung gegenüber unbekannten Reizen.
  • Neurophysiologische Effekte: Schultz (2006) zeigte, dass beim Schnüffeln vermehrt Dopamin ausgeschüttet wird, ein Neurotransmitter, der mit positiven Emotionen und Motivation in Verbindung steht. Die Dopaminfreisetzung fördert das Wohlbefinden und kann den Erregungslevel senken.
  • Ethologische Bedeutung: Schnüffeln ist ein natürliches Verhalten, das für die Futtersuche essenziell ist. Studien an Straßenhunden belegen, dass ein Großteil ihrer Zeit mit der Suche nach Nahrung verbracht wird.
  • Beschwichtigungssignal: Hunde setzen Schnüffeln auch als Übersprungshandlung und zur Selbstberuhigung ein, wenn sie sich unwohl fühlen.

Nasenarbeit ist ein artgerechtes, therapeutisch wirksames Mittel zur Stressreduktion und Förderung des Wohlbefindens bei Hunden. Sie sollte nicht nur erlaubt, sondern gezielt eingesetzt werden, um die Lebensqualität von Familienhunden zu verbessern.

Verweise

Let me sniff! Nosework induces positive judgment bias in pet dogs.

Schultz, W.: Behavioral Theories and the Neurophysiology of Reward

Nasenarbeit als Therapie

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